Kuala Lumpur – „die schlammige Flussmündung“

Den Abschied aus Neuseeland hatte ich ja bereits an anderer Stelle beschrieben, so dass ich diesen kleinen Artikel voll und ganz meinem Kulturschock widmen kann, den ich in meinen ersten vier Tagen in Malaysia erlebe.

Mein Flieger landet um 08:40Uhr in Kuala Lumpur. Etwa 20 Stunden Reisezeit liegen hinter mir. Geschlafen habe ich im Flieger mal wieder nicht. Hier und da ein wenig gedöst, mehr krieg ich einfach nicht hin. KL – wie hier wirklich jeder sagt – grüßt mit dem zu erwartenden Smog, schwerer schwüler Luft und etwa 32 Grad. Um 12 Uhr bin ich mit Gan verabredet, den ich über Couchsurfing gefunden habe und der so freundlich ist, mit mir für zwei Nächte sein Apartment zu teilen. Ich tausche also schnell ein paar meiner verbleibenden Neuseeland Dollar in Malaysische Ringit und kämpfe mich vorbei an den vielen Taxifahrern zum Busterminal.

Während der einstündigen Fahrt zum KL Sentral (dem Hauptbahnhof) bekomme ich den ersten Überblick über den Moloch Kuala Lumpur. Das Verkehrsaufkommen ist gewaltig. Neben den Autobahnen stehen riesige Wohnblöcke mit vergitterten Fenstern. Die Farbe grau dominiert. Parks und Wiesen suche ich vergebens. Das einzige Grün bislang waren die endlosen Palmöl-Plantagen die ich bei der Landung in KL sehen konnte. Da war Auckland ja das reinste Paradies gegen! Gut, dass ich mit einem Local verabredet bin, der mir all die schönen oder zumindest interessanten Ecken der Stadt zeigen wird.

 

Couchsurfing in KL

Ich treffe Gan an der verabredeten Cempaka Station. Er begrüßt mich freundlich und führt mich zu seinem Apartment. Gan ist 36, indischer Abstammung und wohnt seit eh und je in KL. Er ist weit gereist und spricht fünf Sprachen, ist Yoga- und Tanzlehrer und führt sein eigenes Studio. Sein Apartment ist sauber, ordentlich und auf angenehme 22-23 Grad herunter gekühlt. Leider liegt es in einem der schon beschriebenen Wohnghettos – mit Gittern vor den Fenstern und unwohl riechenden Müllcontainern auf dem Hof. Der Ausblick von seinem kleinen Balkon in der sechsten Etage hält sich auf Grund von Smog und Haze stark in Grenzen. Es ist schwer zu schätzen, aber weiter als 3-5 Km kann ich auf keinen Fall gucken.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Gan muss los zu einem Pilateskurs, den er in einem naheliegenden Fitnessstudio leitet. Währenddessen vertrete ich mir die Beine in der daneben liegenden Mall, genieße die Klimaanlage und mache die erste positive Erfahrung mit den südostasiatischen Preisen: 8 Sushi Happen für 1,30€. Nach seinem Kurs bringt mich Gan zu seinem liebsten indischen Restaurant wo wir uns ordentlich den Wanst voll schlagen und ich Tee Susu entdecke – von da an mein absolutes Lieblingsgetränk: starker Schwarztee mit gesüßter Kondensmilch. Trinkt hier jeder. Zurecht! Hauptgericht und Getränk: 4 Ringit – nicht mal 1€. Ich kann mich also entspannen, was das Budget für die letzten vier Wochen meiner Reise angeht.

Gan führt mich in den kommenden zwei Tagen zu mehreren sehr guten Straßenrestaurants und bestellt all die chinesischen und indischen Köstlichkeiten, die ich sonst nie entdeckt hätte, da die Speisekarten (wenn überhaupt vorhanden) nicht auf Englisch sind. Davon abgesehen wird mein Optimismus in die versteckten schönen Ecken der Stadt aber leider enttäuscht. Das KL, das ich kennenlerne, ist in erster Linie riesig, laut und dreckig. Fußgänger sind den Autos und Motorrollern klar untergeordnet. Fußwege gibt es zwar hier und da. Ich muss aber ständig aufpassen nicht in die riesigen Löcher zu treten, die den Monsunregen (der in den nächsten zwei Tagen noch massiv auf KL niedergehen wird) in die Kanalisation bzw. die Flüsse leiten sollen.

Trotz enormer Müdigkeit schleppe ich mich am Abend noch zu den Petronas Towers – ein Ausflug der sich wirklich lohnt (wenn man denn mal in KL ist). Die beiden Türme – mit 451 Metern einst die höchsten der Welt – sind wirklich beeindruckend. Vor allem nach Sonnenuntergang macht die Beleuchtung echt was her. Im Brunnen davor tanzen bunte Wasserfontänen zur Musik. Überall auf dem Platz und im angrenzenden Park sitzen Menschen. Die Atmosphäre ist angenehm. Es wird gelacht, gegessen und für’s Foto gepost.

Nach einer guten Portion Hokkien Noodles im China Town und der wieder aufgefrischten Erkenntnis, dass Ratten und Schaben hier einfach mit dazu gehören und eigentlich gar nicht so schlimm sind, fahren Gan und ich zurück zu seinem Apartment. Ich höre die Matratze schon rufen, da stellt mir Gan noch einen frisch gezauberten Martini vor die Nase. Ob geschüttelt oder gerührt ist mir jetzt ziemlich egal. Ich trinke und falle – fast noch mit dem Glas in der Hand – ins Bett.

Batu Caves und die weitere Planung

Tag 2 beginnt, wie könnte es anders sein, schon wieder mit der Nahrungsaufnahme. Diesmal geht’s in ein Chinarestaurant neben Gans Yogastudio. Die Aufmachung ist typisch: Der Laden liegt an einer Straßenecke, ein Metalldach spendet Schatten. Die Gäste – Polizisten, Arbeiter und Studenten – sitzen an Plastiktischen auf Plastikstühlen. Auf jedem Tisch stehen ein Korb mit Besteckt, ein Serviettenspender und zwei kleine Töpfe mit Chilischoten – einmal sehr scharf und einmal unfassbar scharf. Für mich gibt es Nudelsuppe und Tee Susu. Eine gute Grundlage für den nun folgenden Ausflug zu den Batu Caves.

Die Höhlen liegen etwa 15 Kilometer nördlich von KL und sind ganz einfach mit den Zug zu erreichen. Auf dem Vorplatz grüßt zunächst eine knapp 43 Meter hohe Statue die den Gott Murugan abbildet. Im Inneren der rund 100 Meter hohen Kathedralenhöhle wurden mehrere Hinduschreine errichtet. Ich verweile ca. 2 Stunden in und um die Batu Tempel und Höhlen. Mein Timing ist sehr gut an diesem Tag, denn während ich in der Höhle bin, geht draußen ein erster beeindruckender Schauer nieder – ein Vorgeschmack dessen, was später am Abend noch kommen sollte. Als ich die 272 Stufen vom Tempel wieder hinunter gehe, beobachte ich noch wie sich drei kleine Affen um die Plastiktüte streiten, die einer von ihnen eben einem Touristen abgenommen hat. Eine Menschentraube bildet sich. Alle blicken hoch zu den Affen, die nun auf einem Zaun sitzen und ihre Beute inspizieren. Etwas Essbares ist dabei. Und Müll. Uuuund…eine Kamera, die plötzlich zu Boden kracht und in hundert Teile zerspringt. Schade drum!

Mein nun folgender Versuch, die Nationalmoschee und die naheliegenden Zoos und Museen zu besuchen bzw. zunächst einmal zu finden, scheitert an der Unpassierbarkeit mancher Kreuzung und den für mich kaum auszuhaltenden Temperaturen. Ich brauche wohl noch ein paar Tage um mich hieran zu gewöhnen. Die Luft in der Großstadt macht es zudem natürlich nicht besser.

Ich treffe mich wieder mit Gan und wir fahren zusammen mit zwei seiner Freunde in ein sehr beliebtes vegetarisches Restaurant. Es gibt Curry Mee und zum Nachtisch Ice Kacang. Letzteres besteht aus einem Berg gehobelten Eis (also wirklich nur gefrorenes Wasser) gemischt mit süßem Bohnenmus, süßem Mais, Palm- und Zuckerrohrsirup und ein paar Weingummistücken. Das ist nu wirklich mal was anderes. Aber verdammt lecker!

Am nächsten Tag soll es weitergehen nach Melaka und anschließend zu den Perenthian Inseln wo dann hoffentlich die Luft besser und das Wasser angenehm kühl sein wird. KL war gut für zwei Tage. Hauptsächlich aber wegen Gan und den kulinarischen Highlights, die er mir gezeigt hat. Die Türme und die Batu Caves sind cool anzusehen, aber KL ein Reiseziel an sich? Zumindest nicht für mich. Vielleicht ist es so wie mit den meisten Großstädten, dass man erst ein paar Wochen oder Monate braucht um sich einzugewöhnen und die guten Ecken kennenzulernen. Ich weiß aber, dass ich mich an solch einen Moloch in dieser Klimazone gar nie gewöhnen möchte. Von daher: Abflug. Bzw.: in den Bus gestiegen (das Transportmittel Nummer eins auf Langstrecken in Malaysia!) und ab nach Melaka. Das ist zwar auch eine Stadt, aber eine kleine mit vielen historischen Gebäuden, einer langen und interessanten Kolonialgeschichte und natürlich viel gutem Essen!

 

 

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