Eat, Sleep, Dive – Die Perenthian Islands

Die Boote zu den Perenthian Inseln warten am Steg eines kleinen Fischerdorfs namens Kuala Besut. Um dort hin zu kommen nehme ich zunächst einen Nachtbus von Melaka nach Kuala Terengganu. Von hier geht’s weiter mit einem klapprigen Stadtbus, der sich in ganz gemächlichem Tempo nach Kuala Besut schleppt. Insgesamt sind das etwa 13 Stunden Reisezeit – einmal quer durchs Land. Von Kuala Besut braucht das Speedboat dann noch eine halbe Stunde bis zum Long Beach von Pulau Perenthian Kecil (die kleine der beiden Inseln). Das Wasser ist kristallklar, der Strand so weiß und fein wie 405er Weizenmehl und die Luft ist fast so heiß, dass wenn der Sand tatsächlich Mehl wäre, man problemlos Brötchen unter freiem Himmel backen könnte.

Ich lasse meinen Rucksack erst einmal bei einer Tauchschule stehen und suche mir anschließend eine Unterkunft. Fündig werde ich direkt nebenan: Für 20 Ringit bekomme ich hier ein Bett im Schlafsaal mit Deckenventilator. Und nach einem wohlverdienten Nickerchen, buche ich ein paar Tauchgänge für die kommenden Tage und wage mich dann sogar mal in die unbarmherzige Sonne die am Strand die Touristen röstet.

 

Ein Paradies auf Abwegen?

Die Perenthian Inseln erfahren erst seit etwas mehr als 10 Jahren ernstzunehmenden Tourismus. Seitdem ereignen sich die üblichen Prozesse: Es wird immer mehr gebaut, die Sitten werden zunehmend westlicher und die Natur leidet unter immer mehr Müll und Abfällen. Der Nordosten Malaysias ist traditionell sehr muslimisch geprägt. Das heißt: kein Alkohol und kein Sonnenbaden oben ohne. Doch diese Zeiten scheinen lange vorbei. Alkohol zu kaufen ist kein Problem – vorausgesetzt man ist gewillt 10 Ringit für eine Dose Bier auszugeben (zum Vergleich: auf dem Festland werden zwei Erwachsene für 10 Ringit satt und haben was getrunken) – und die westliche Damenwelt räkelt sich am Strand wie es ihr gerade passt. Viele der westlichen und asiatischen Touristen lassen ihre Plastikflaschen, Tüten oder Dosen achtlos am Strand liegen. Entsprechend viel Müll fliegt hier herum oder schwimmt im Meer. Einige der Bungalows am Strand sind derbe herunter gekommen. Müllberge stapeln sich hinter den Bretterruinen. Der Eindruck vom Paradies leidet und mein erster Eindruck ist nicht gerade überschwänglich. Luke, ein Tauchlehrer, den ich abends am Strand treffe, rückt das alles jedoch in ein einigermaßen verständliches Licht: Der Ostteil der Insel wird jedes Jahr so heftig vom Monsum getroffen, dass viele Bauten dem Wetter nachgeben und zu Saisonbeginn (Ende März) wieder neu aufgebaut werden müssen. Na, vor dieser Sisyphusarbeit muss man schon den Hut ziehen. Aber der Müll tut trotzdem nicht Not!

 

Tauchen, Teil 21, 22 und 23

Nach rund drei Monaten Tauchpause geht’s am nächsten Morgen um 9Uhr wieder weiter. Erstes Ziel ist ein Tauchspot mit dem wohlklingenden Namen „Temple of the Sea“. Und der Name hält auch was er verspricht. An der Oberfläche sieht man nur einen kleinen Felsen aus dem Wasser ragen, der sich nach unten hin allerdings weit ausbreitet und ein farbenfrohes und abwechslungsreiches Habitat für diverse Fische, kleine Haie und Rochen bietet. Die Sicht ist klasse und das Wasser angenehme 29°C warm. Alles läuft super. Tauchen ist wie Fahrradfahren…

Meine Tauchgänge 22 und 23 sind dann jeweils Wracktauchgänge. Der erste zum sogenannten Police Wreck – drei kleine absichtlich versenkte Polizeiboote – und der zweite zum Sugar Wreck: Ein 80 Meter langer Pott, der im Jahr 2000 ein paar Tonnen Zucker zu viel geladen hatte und sank. Schon verrückt und ein bisschen gespenstig wenn man sich da hinab wagt. Die Sicht an Wracks ist meist eher bescheiden. Und wenn man dann plötzlich auch noch ein Dach über sich hat und nicht „mal eben“ zur Oberfläche schwimmen kann, merke ich, dass Fahrradfahren doch einfacher ist! Schön ruhig weiter atmen und irgendwann geht’s wieder…

 

Die Westküste – das wahre Paradies

Etwas enttäuscht vom Longbeach folge ich am Nachmittag zusammen mit meinem Tauchbuddy Christian einem kleinen Dschungelpfad zur anderen Seite der Insel. Für alle die in den nächsten Monaten mal vorhaben, die Perenthians zu besuchen: Die Westküste ist wirklich paradiesisch. Und ganz besonders hervorzuheben ist der Mira Beach! Eine winzige Bucht mit nur 7 oder 8 Bungalows (ein weiterer ist im Bau), gesäumt von Palmen, umgeben von dichtem Dschungel, völlig ungestört und absolut ruhig. Die malayischen Landbesitzer wurden schon häufiger gefragt, ob sie ihren Grund und Boden nicht verkaufen wollten – eine hochpreisige Honeymoon-Anlage würde sich hier natürlich ganz besonders gut machen. Aber nein. Die Preise sind zwar nicht im Low-Budget-Segment, aber immer noch okay. Das Schöne ist ja, dass man sich als Europäer hier auch Luxus leisten kann, wenn man denn die Zeit hat. Die habe ich aber leider nicht. Und so bleibt es an den beiden folgenden Abenden bei traumhaften Sonnenuntergängen und Volleyballspielen am vielleicht schönsten Volleyballfeld der Welt. Anschließend wandern wir dann aber mit der Taschenlampe bewaffnet wieder zurück zum Longbeach.

Nach drei Nächten ist Schluss mit Inselspaß. Ich habe zwar lange hin und her überlegt, ob ich nicht einfach den Rest meiner Zeit hier verbringen soll, aber ich will dann doch noch ein paar andere Ecken des Landes sehen. Zusammen mit Christian und Liam, einem weiteren Tauchbuddy, geht es also am nächsten Tag nach Kota Bharu. Insgesamt habe ich jetzt noch fünf Nächte bis ich wieder in KL sein muss um meinen Flieger nach Kambodscha zu nehmen. Bye bye, Perenthians! Du kannst so hässlich sein! Aber auch so traumhaft schön. Man muss nur wissen wo man suchen muss…

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