Kia Ora Neuseeland – Die erste Woche

Zwei Wochen Thailand und zwei Wochen Malaysia. Das war der Plan für meinen Südostasien Trip. Inzwischen bin ich in Neuseeland und habe mir komplett abgewöhnt, irgendwas zu planen. Ich war schlussendlich vier Wochen in Thailand, habe nicht einen Zeh auf malaysischen Boden gesetzt. Doch es hätte nicht besser laufen können.

Nach zwei Tagen Aufenthalt in Singapur, die leider durch eine Magenverstimmung getrübt wurden, bin ich inzwischen auf der Nordinsel Neuseelands angekommen, in Auckland. Und dieser wunderschöne Flecken Mittelerde hat mich auch gleich ganz herzlich willkommen geheißen. Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf habe ich an meinem ersten vollen Tag, dem 10.1., morgens um sieben Uhr den Mount Eden bestiegen. Dieser Vulkan bildet die größte Erhebung der Stadt und bietet eine entsprechend bewegende Aussicht. Da das Wetter nicht besser hätte sein können, konnte ich den 360Grad Rundumblick uneingeschränkt genießen: Berge, Wasser rundherum, das höchste Gebäude der südlichen Hemisphäre (The Needle) im Blick und unermesslich viel Grün – Bäume und Büsche überall. Die klare Luft reinigt die von thailändischem Staub und Abgasen geschädigte Lunge. Die Sonne ist so früh am Morgen noch unbedenklich, wärmt aber bereits angenehm. Kaum ein Wölkchen hängt am Himmel. Ich stelle schnell fest, dass die Schreckensgeschichten über Auckland ganz und gar nicht mit dem übereinstimmen, was ich hier erlebe. Klar, es ist eine Großstadt, und ich fliege nicht wegen einer Stadt sondern wegen der einzigartigen Landschaften hier her. Aber Auckland ist zweifelsfrei eine der schöneren Großstädte. Die vielen Parks, das viele Wasser, viele junge Leute und unzählige hippe Cafés und Bars lassen die Stadt sehr angenehm auf mich wirken.

Zufälle und weitere Tauchabenteuer

Trotz allem will ich zügig hier weg und meine Rundreise beginnen. Wie, wohin und mit wem, das entscheiden nicht meine Pläne, sondern Vater Zufall. Und das klappt ganz hervorragend: Im Thailand wurde mir von den Poor Knights Inseln erzählt – einem weiteren top10 Tauchspot weltweit, der ca. 150 km nördlich von Auckland liegt. Mein Hostelmitbewohner Taras (der erste Lette den ich in meinem Leben getroffen habe) hatte dasselbe gehört. Und er wollte am selben Tag hoch wie ich. Und er hat nur einen Tag nach mir Geburtstag. Ziemlich gutes Bonding also von Beginn an. Ich habe mein angemietetes Auto also kurzerhand wieder abbestellt und wir haben uns zusammen getan.

Was dann kam war jede Menge kaltes Wasser! Genauer gesagt 18 Grad kaltes Wasser. Gut, dass man sich dagegen mit Neoprenwesten und 7mm dicken Wetsuits schützen kann. Schlecht, dass man deshalb 12 Kg Gewicht um die Hüfte schnallen muss um den Auftrieb auszugleichen und dadurch natürlich riesengroße Tarrierungsprobleme bekommt. Kein Spaß! Wirklich nicht. Aber die Aussicht über und unter Wasser macht da so einiges wett. Auch wenn man nach dem zweiten Tauchgang, von Krämpfen geplagt, nicht mal mehr seine eigenen Flossen ausziehen kann. Was bleibt ist eine weitere tolle Erfahrung und die Gewissheit, dass Tauchen nicht gleich Tauchen ist. Es gibt noch viel zu lernen…

Einmal ganz hoch und von dort aus immer Richtung Süden

Bei den Poor Knights haben Taras und ich eine amerikanische Biologin getroffen, die für einige Monate hier mit ihrem selbst umgebauten Camper Van unterwegs ist. Taras selbst wollte so schnell wie möglich wieder in den Süden. Da ich mir die Gelegenheit aber nicht nehmen lassen wollte, gleich ganz in den Norden zu fahren, wenn ich schonmal hier bin, habe ich die Mitfahrgelegenheit getauscht und war von da an zwei Tage mit Jess unterwegs: Cape Reinga, Sanddünen-Boarding und der Waipua Forrest mit seinen gigantischen Kauri Bäumen standen auf dem Programm.

Es ist leicht, in Neuseeland die Worte zu verlieren, die das beschreiben könnten was man sieht. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte – so heißt es. Aber auch Bilder können kaum einfangen, wie überwältigend der Anblick und vor allem die Vielfalt dieser Landschaften sind.

Morgens um 8 stehen wir am Cape Reinga. Dem Ort, an dem die Tasmanische See und der Pazifik auf einander prallen. Klingt vielleicht lapidar, aber man hört die riesigen Wellen brechen und sieht tatsächlich die unterschiedlichen Gewässer – im Westen die raue Tasmanische See und im Osten der an diesem Tag spiegelglatte Pazifik. Und man steht da in Ehrfurcht und kann eigentlich gar nicht begreifen was da unter einem abgeht und weil sich das auch nach einer Stunde nicht ändert, macht man noch ein paar dumme Fotos am Wegweiser und geht kopfschüttelnd zurück zum Auto.

An dieser Stelle sollte eigentlich eine Ibu eingeworfen werden, denn das Kopfschütteln lässt in absehbarer Zeit keinesfalls nach. Nur rund 10Km südlich türmen sich plötzlich gigantische Sanddünen auf. Fünfzig bis hundert Meter. Glaubt man nicht. Ist aber so. Eben noch Meer und Felsklippen, dichter Wald ringsherum und jetzt Wüste. Gehts noch? An den Sanddünen warten Bodyboard Verleiher darauf, uns 15$ aus der Tasche zu leiern. Hauptsächlich weil sie’s können. Aber auch weil es den Spaß wert ist. Das Board unterm Arm steigen wir also auf diesen Berg aus Sand. Einen Lift gibt es natürlich nicht. Das geht gehörig in die Beine, die Aussicht am Gipfel aber entschädigt vollends. Und die Abfahrt erst! Bäuchlinks und kopfüber gehts ins Tal. Den Mund immer schön geschlossen halten sonst wird’s knusprig. Aber schreien will man auch. Also egal. Man verbringt am Abend ohnehin 1 Stunde mit Körperpflege. Und auch am Tag drauf findet man noch kleine Sandburgen im Ohr.

Neuseelands Gummibäume – Die Kauris

Auf dem Weg zurück in die große Stadt geht es noch vorbei am Waipua Forrest. Hier stehen die mit abstand größten und ältesten Bäume Neuseelands. Und wie jeder Grashalm hier haben auch sie wunderschöne maori Namen: die beiden größten heißen Tane Mahuta und Te Renga Ngahere. Der Umfang dieser Gigantomanen beträgt 14 bzw. 16 Meter! Kein Wunder, dass Tane Mahuta Gott des Waldes bedeutet.

Heading South

Ab jetzt geht’s gen Süden. Die grobe Marschrichtung für die nächsten Tage sieht vor: Taupo, Wellington, Südinsel…
Es ist ein gewisses Dilemma: Eigentlich gibt es noch haufenweise gute Sachen auf der Nordinsel zu erleben. Aber der Sommer ist hier nunmal begrenzt, weshalb ich lieber jetzt den tiefen Süden mache und dann irgendwann im Herbst nochmal hier hoch fahre.
Aber wir haben ja gelernt, dass eh immer alles anders kommt.

Besonders gespannt bin ich persönlich,  wann aus diesem Chill&Travel ein richtiges Work&Travel wird;-)

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