Chill-Out mit einem Esoteriker

Mein Wunsch zu entspannen wurde in den letzten drei Tagen nicht erfüllt. Zusammen mit meinem Travell-Buddy Chris hatten wir nur Unfug im Kopf. Doch mein Körper schrie förmlich danach, einige Tage es etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich entschloss, mich von Chris zu trenne und alleine zu relaxen.

Schon beim Motorradtrip, einige Tage zuvor, erkannte ich die Schönheit der Strände im Süden der Insel. Vor allem die Abgeschiedenheit fand ich klasse. Keine Kneipenstraßen, in denen aggressive, volltrunkene Engländern rumpöbelten. Einfach eine ruhige Bucht mit einigen Tauchresorts. Dort fand ich einen wunderschönen Platz um den körpereigenen Akku wieder aufzuladen (Danke Katharina!).

Paradiesisch schön hier. Direkt am Strand bekam ich einen Bungalow, für umgerechnet 6 € die Nacht, direkt am Strand. Nur 42 Schritte trennten mich vom kühlenden Nass. Ein wahnsinniges Glücksgefühl empfand ich jeden Tag. Nach dem aufstehen, Badehose an und ab ins Meer. Viertelstündchen schwimmen, duschen und lecker Frühstücken. Am Strand versteht sich. Mein Frühstück beschränkte sich auf eine Dose Eis-Latte-Cafe und einem abgepackten Sandwich vom Supermarkt 7/11. Danach ließ ich mich einfach gehen: Lesen, ins Meer springen, lesen, schlafen, chillen, essen, schwimmen, schlafen, chillen und so weiter.

Beim alleine Reisen ist man nie alleine. Hört sich komisch an – ist aber so. Während meines Trips lernte ich fast jeden Tag coole, interessante und viele verrückte Menschen kennen. So war es nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten, temporären Freund. Auch wenn ich ziemlich beschäftig war mit nichts tun. Später, in einem Buchladen, lernte ich Günther kennen. Günther, ein knapp 40-jähriger Deutscher, ist gerade aus dem kalten Deutschland angekommen. Bevor er den Norden Thailands erkunden geht, möchte er erst mal auf der Insel Koh Tao relaxen. Er schien ein unkomplizierter und ganz netter Kerl zu sein. Gemeinsam hingen wir dann in den zwei vorhandenen Bars in dieser Bucht rum und hatte verschiedene Gespräche über Weltanschauung und Religionen.

Günther glaubt an ein sehr abgedrehtes Weltbild und den Bezug des Menschen zu seiner Umwelt und sich selbst: Jeder Mensch hat einen weiblichen und männlichen Part. Der männliche Part ist fürs logische Denken verantwortlich und beeinflusst negativ die Auswirkungen des weiblichen Teils. Das Beobachten von Gefühlen und das Vertrauen darin, gehört zum weiblichen Part. In seiner aktuellen Lebensphase versucht er seinem Gefühl zu vertrauen und sich davon leiten zu lassen. Alles was passiert, hat einen tieferen Sinn. Unser Treffen im Bücherladen. Hat einen tieferen Sinn, und sollte anscheinend passieren. Im Nachmittagsregen versehentliche auf einem Stein auszurutschen hat, in der Gesamtkonstellation des eigenen Lebens, einen tieferen Sinn. Nicht darüber aufregen. Weiterhin von seinen Gefühlen leiten lassen und darauf vertrauen, welche Möglichkeiten sich daraus entwickeln. Wenn dies nicht hilft, dann durch spezielle Atemtechniken in sich selbst hineinhorchen. Bei bestimmten Atemübungen kann man einen tranceähnlichen Zustand erreichen. Kurz vor der Bewusstlosigkeit erkennt man die Gründe und die Wahrheit von „Allem“. Eine weitere Möglichkeit hat er vor einigen Jahren selbst ausprobiert: Er ging mit einem Zelt in den Wald und hat etwa zwei Wochen gehungert. Zwei Wochen nur Wasser und Tee getrunken. Keine Nahrung! Nach einer Weile wurde er eins mit der Natur.
Ich bin zu sehr Rationalist um an so einem Unfug zu glauben. Dies war natürlich ein Nährboden für zahlreiche kontroverse Diskussionen mit ihm.

Mehrere hundert Millionen Euro Umsatz verzeichnet jährlich die Esoterikbranche in Deutschland. Menschen die glauben, wenn sie eine Glückskerze kaufen, dass ihr Leben sich daraufhin ändert: Ihr Traumpartner steht vor der Tür, sie werden Befördert und Gewinnen den 32 Millionen Jackpot der Samstagslotterie. So viel zum Thema sich von Gefühlen leiten zu lassen.

Trotzdem war die Zeit mit ihm sehr angenehm. Genau so wie ich, hatte er das Ziel: einfach nix zu tun und zu relaxen. Da das auf Dauer auch anstrengende ist, hatten wir stundenlange Backgamen-Partien.

Nach drei Nächten im Paradies, verließ ich die Insel. Nächstes Ziel ist die Insel Koh Pi Pi. Diese Insel wurde bekannt durch den Film „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio.

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