Eine Toiletten-Geschichte

Die Anzahl an Frauen in einer befreundeten Gruppe von gesamt acht Single-Freunden, die gemeinsam in eine Disco gehen, hat Auswirkungen auf die Erfolgsquote der Männer, Frauen an diesem Abend klar zu machen. Dies hat eine Abschlussarbeit eines Psychologie-Studenten ergeben. Als Messmittel dient ein Kuss oder ihre Telefonnummer. Bei einer Gruppenverteilung von fünf Kerlen und drei Frauen sind die Erfolgschancen am höchsten.

Soweit die Forschung. Tom, Florian und ich machten uns mit einer sechs-köpfigen Mädchengruppe auf den Weg zum Club. Diese Frauenquote gefällt mir persönlich eher. Der Club, Chiang Mai Bar, ist auf dem Dach eines Parkhauses. Als wir einen Sitzplatz für die Gruppe gefunden hatten, zauberte eine der Mädchen eine Whiskyflasche aus der Tasche, die sie vorher hineinschmuggelte. Ich spendierte den dazugehörigen „Mixture“ – Tablett mit verschiedenen Softdrinks zum selber Mischen.

Trotz des Thai-Whiskys konnte das Kommunikationsvermögen der gesamten Gruppe nicht sonderlich gesteigert werden. Malee, die mir zuvor eine Rose geschenkt hatte, konnte mit Abstand das beste Englisch aus ihrer Mädchengruppe. Somit konnte ich mich mit ihr amüsant unterhalten. Während Tom sich als Dolmetscher probierte. Blöde Gesamtsituation, aber ich hatte meinen Spass mit Malee. Wie ein perfekt eingespieltes Team haben wir dann gemeinsam, zwei andere weibliche Stammgäste beim Billard total nass gemacht.

Der Club war eine etwas edelere Disco mit teuren Bierpreisen um die drei Euro. Neben den typischen Club-Eigenschaften mit viel Lichtgedönz, DJs und einer Tanzfläche wurde ich weiter positiv überrascht. In diesem Königsburg-Verschnitt war eine echt rockige Ska-Band am zocken. Und vor allem die Thailändischen Studenten und ich rockten ganz gut ab. Jedoch verlor ich irgendwie Malee aus den Augen. War mir in diesem Moment Wurscht und ich genoss die Ska Band und prostet diversen anderen Menschen in meiner Umgebung zu. Auch in diesem Laden war es doch selten, dass  Europäer unter den Gästen zu finden sind. So wurde ich von einer Gruppe betrunkener Thailänder auf eine Runde Schnaps eingeladen… yeaahhuu geiler Ska Abend. Die lustigen Jungs musste ich aber links stehen lassen. Denn dann stand sie vor mir. Malee mit ihrem strahlenden Lächeln. Wir tanzten gemeinsam und verbrachten eine gute Zeit.

Um eine Zigarette zu rauchen gingen Malee und ich nach draußen zum Flo und Tom. Danach verschwand ich kurz und wollte die Örtlichkeit nutzen. Dies hatte aber nicht im Geringsten etwas mit einem „normalen“ Toilettengang gemein: Ein freundlicher Thailänder in einer dunkel roten Uniform öffnete mir die Tür zu einem Toilettenparadies. So würde ich es im Nachhinein nennen. Anfänglich war ich extrem verwirrt. Schon vor einer Woche war ich amüsiert über eine „Chillout-Raucher-Ecke“ neben den Pissoirs im Paradies Hotel. Doch dies übertraf alles Dagewesene.

Auf den Weg vom Eingang zum Pissoir begrüßten mich weitere Herren in ihren dunkel roten Gewänden und begleiteten mich zum nächsten freien Pissoir. Dabei wurde mir ein warmes Entspannungstuch in den Nacken gelegt. Ich lächelte und fand die Situation durchaus witzig. Als ich startete Wasser zu lassen, wurde mir von einem weiteren Herrn der Nacken massiert. Sehr guter Service, doch dabei konnte ich mich nicht wirklich entspannen um mein eigentliches Vorhaben fortzusetzen. Ich kennen zwar nicht die Toilettengewohnheiten des verehrten Lesers/in dieser Sätze. Doch ich spräche von mir, und bin es von Haus aus nicht gewohnt, dass ich so behandelt werde, wenn ich einen wegpisse. Dies machte ich dem Typen auch deutlich. Er ließ mir dann auch die Zeit die ich brauchte. Zwischenzeitlich betätigte erst jemand von rechts und dann jemand von links die Spülung des Pissoirs.

Schließlich war ich fertig und spazierte nichts ahnend zur Spüle um mir die Hände zu wachen. Den Seifenspender durfte ich selber betätigen. Sofort eilte der Typ, der links von mir die Spülung betätigte, herbei und drehte den Wasserhahn auf. Danach überreichte er mir ein Handtuch. Im spiegel sah ich, wie ein etwas kräftigerer Kerl ankam und mir daraufhin im Thai-Massage-Stil den Rücken, Nacken und Ohrläppchen eintränkte. Ja verflixt nochmal meine Ohrläppchen. Wusste bis dato gar nicht, dass diese auch „knacken“ können, wenn man in einer gelernten Technik daran zieht. Um dies in bewegten Bildern zuveranschaulichen, recherchierte ich auf youtube ein passendes Video dazu:

Total relaxt nach diesem Erlebnis gab ich den Jungs ein gutes Trinkgeld und spazierte mit einem breiten Grinsen wieder hinaus. Nach einem letzten Bier verabschiedeten wir uns voneinander und ich begleitet Malee, gentleman-like natürlich bis zu ihrer Studentenwohnung.

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