My Chiang Mai Girl

In jedem Abenteuerfilm spielt neben dem meist männlichen Protagonisten auch eine Frau eine besondere Rolle. Nach dem Motto: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Auch wenn ich unabhängig und ungebunden diese Abenteuer-Reise angetreten habe, ist die Gesellschaft von Frauen immer amüsant und prägend. Weibliche Gesellschaft war nie primär im Projekt Chill and Travel forciert, hat sich aber bis jetzt immer irgendwie ergeben.

Nach unserem sechstägigen Roadtrip im Nordosten des Landes empfing uns Tom in seinem Guesthouse, zurück in Chiang Mai. Mein thailändischer Freund Tom ist vor einigen Monaten von Bangkok nach Chiang Mai gezogen um dort sein Guesthouse (www.baankiri.com) zu eröffnen. Abgelegen vom städtischen Trubel besitzt er eine grüne Oase vor den Toren der Stadt mit guter Anbindung an die anliegenden Berge. Zum Abschluss meines Nord-Thailand-Trips wollten wir drei (Tom, Flo und ich) gemeinsam noch einmal was trinken gehen.

Tom führte uns in eine belebte Ecke der City. In diesem Straßenabschnitt reiten sich viel gefüllte Kneipen mit Außen- und Innengastronomie. Bis in die  Morgenstunden gehen hier regelmäßig junge Thailänder dem Alkoholkonsum nach. Europäische Gäste sind eher die Ausnahme. Auch wir passten uns den örtlichen Gegebenheiten an und tranken unsere Bierchen. Tom schüppte uns einige Eiswürfel ein, bevor er das Bier einschüttete. Was???!!!! Eis im Bier – ist für den deutschen Biertrinker undenkbar!! Ja, das stimmt schon, aber was soll man machen, wenn die Bierflasche nicht gekühlt ist. Da helfen halt Eiswürfel ungemein! Wie die Natur es vorsieht, muss, wenn oben etwas rein kommt, entsprechend unten etwas raus. Auf dem Rückweg von der Örtlichkeit mischte ich mich unter die Gäste und erkundete die Bars. Hübsche, aufgebrezelte Mädels kamen mir entgegen und machten mir schöne Augen. Freundlich wie ich bin, lächelte ich zurück. Oder umgekehrt – je nach Situation halt.

Zurück am Tisch gönnte ich mir einige Schlucke aus meinem eisgefüllten Bierglas. Urplötzlich stand ein süßes Thai-Mädchen mit einer Rose vor mir. Ich lächelte sie an. Sie überreicht mir die Rose. Irritiert und verwundert nahm ich diese entgegen. Aufgeregt stammelte sie einige, abgebrochenen Brocken englischer Wörter hinaus und erklärte mir, dass sie diese Rose im Auftrag ihrer Freundin  überreicht. Gerührt von dieser Geste bedankte ich mich vielmals und wusste so gar nicht, wie ich mich in dieser Situation verhalten sollte. Wiederholt bedankte ich mich und unterhielt mich mit ihr. Sie deutete zu ihrer Gruppe am Stehtisch neben dem Bareingang und betonte des Öfteren, dass diese Blume von ihrer Freundin ist. Kurz darauf verabschiedete sie sich. Krass – was ist denn jetzt gerade passiert? Ich habe eine Rose geschenkt bekommen. Hallo – ich bin ein Kerl. Wieso schenkt mir eine Frau eine Blume? Aber das Gesamtgefühl war durchaus positiv. An alle Ex-Freundinnen, zukünftige Freundinnen, Affairen, One-Night-Stands und Frauen dieser Welt, die dies hier lesen: Ich stehe total auf Komplimente, gutes Essen und seit neuestem auch auf Blumen 😉

Nun wurde mir einiges bewusst. Die unzähligen Rosenverkäufer, die sich durch die Menschmassen wuselten, verkauften nicht nur Päarchen diese Blumen. Wenn jemand einen attraktiven Partner/in über Augenkontakt erspäht hat, soll die Übergabe einer Rose das bekannte Eis brechen um das Ansprechen zu erleichtern.

Ich leerte mein viertelvolles Glas mit einem Schluck. Stand auf und ging mit der Rose in der Hand zum Stehtisch hinüber. Kichernd empfang mich eine sechs-köpfige Mädchengruppe. Ich stellte mich vor und fragte, von welchem hübschen Wesen ich die Ehre bekam, eine Rose geschenkt zu bekommen. Schüchtern strahlte das hübscheste Mädchen in der Runde mich an. In einem guten Englisch stellt sie sich vor: „Die war von mir. Ich heiße Malee!“

Malee, 21 Jahre jung, hatte sehr langes, glattes Haar. Ihr Seitenscheitel hing über ihrem, bildhübschem Gesicht. Leuchtende, große Augen, kleine süße Nase und ein strahlendes Lächeln. Ihr Style ein wenig abgedreht. Ein etwas weiteres, blau-weißes Business Hemd hat sie raffiniert an der Hüfte zusammen gebunden, um ihre sexy, hautenge schwarze Hose zu betonen. Sie machte einen sehr sportlichen Eindruck und erzählte mir, dass sie hier an der Uni BWL studiert und im Basketballteam spielt. Ich erzählte ihr von meinem Trip und sie war total beeindruckt von meiner Weltoffenheit. Sie fand es aber dennoch schade, dass ich Chiang Mai morgen verlassen werde. Doch dies ist morgen. Bis zum meinem Abflugstermin sind ja noch 12 Stunden. Die Mädchengruppe wollte anschließend in den Club Chiang Mai Bar und unsere dreier Männergruppe ist gerne willkommen sich anzuschließen. Gesagt, getan und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Chiang Mai Bar.

(Fortsetzung folgt)

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