Der schwedische Drogendealer und sein Thai-Girl

Phu Chi Fa ist ein beliebtes Ausflugsziel für Thailänder, die im direkten Umland dieses Nationalparks leben. Dieser Fleck ist vom westlichen Massentourismus recht unberührt. Wieso auch. Der gebräuchliche Reiseführer Lonely Planet Thailand mit seinen 820 Seiten beispielhaft erwähnt diesen Ort nur mit einem Satz. Phu Chi Fa liegt total abgeschieden in der Pampa des Himalaya-Ausläufer-Gebirges im Nord-Osten von Thailand.

Dementsprechend die Reaktionen der Bewohner, als wir zwei groß-gewachsenen, weißen Europäer die Straßen entlang kamen. Wir waren die Hauptattraktion in diesem Dorf. Vor allem die Kinder wussten nicht, wie sie sich in unserer Gegenwart verhalten sollten. Manche starrten mich permanent an. Andere versuchten ihr verlegenes Lächeln hinter den Händen zu verbergen.

In der Abenddämmerung suchten wir als erstes Nahrung und eine Unterkunft. Beides erwies sich schwieriger als gewohnt. Hände, Füße und Gestik dienten als brauchbares und einziges Kommunikationsmittel. Ich versuchte mir einige neue Redewendungen auf Thai anzueignen, doch spätestens bei der Aussprache scheiterte ich regelmäßig. Dann halt weiter mit Deuten und Zeigen. Dies führte zu einem ausgesprochenen Entertainmentprogramm, nicht nur für mich. Freundlich wie die Thailänder sind, bekam ich an diversen Essenständen eine Kostprobe und die volle Aufmerksamkeit der Verkäufer, die auf meine Reaktion warteten. Dabei konnten meine Geschmacksnerven ganz neue Eindrücke sammeln. Die meisten waren weniger positiv. Als gute Geste, kaufte ich trotzdem eine Portion, was auch immer ;).

Florians geschickte Handbewegungen zur Suche nach einer Unterkunft erwiesen sich als sehr brauchbar. Ich sehe schon eine große Karriere für ihn als Pantomime-Star. Vielleicht bekamen wir auch deswegen einen leuchtend pinken Bungalow, aber mit einer tollen Aussicht über die Berge. Auf der Nachbar-Terrasse saß ein sehr hübsches Thai-Mädel alleine mit ihrer Wasser-Flasche. Mit ihrem Alter von 25 Jahren, strahlte sie eine sehr natürlich wirkende und charismatische Schönheit aus. Sie beobachtete unsere Ankunft. Ich grüßte sie mit einem charmanten: „Hello! How you doing?“ und wir hatten einen kurzen Small-Talk. Wow dachte ich mir – wieso sitzt so ein hübsches Ding in mitten vom Nirgendwo alleine auf der Terrasse und weit und breit niemand der so aussah, als würde er mit ihr zusammenreisen. Der Plan war: gleich paar Bierchen holen und sie zu einem Drink einladen.

In der Zwischenzeit lernte Florian Matt, einen etwa Mitte 60-Jahre alten Schweden kennen. Er schwärmte von seinem Thai-Mädchen, die er über ein Internet-Forum kennen gelernt hatte. Daraufhin flog er zwei Wochen zuvor nach Bangkok und lernte sie persönlich kennen. Das Mädchen, wie soll‘s auch anders sein – unsere extrem scharfe Nachbarin. Naja und nun sind sie in einer Art „Vor-Flitterwochen“ gemeinsam in den Bergen unterwegs. Zurück in Schweden werden sie heiraten. Tja, wo auch die Liebe überall hin fällt – könnte man sagen. Doch mit einem gesunden Menschenverstand lassen sich andere Gründe für diese Heirat erkennen.

Ich muss zugeben am Anfang fand ich diese Idee von Zusammenkunft sehr verwerflich. Reiche Europäer loggen sich ins Internet ein und suchen nach der hübschesten Frau, die sie „kaufen“ und nach Europa mitnehmen. Das ist nicht die Idee einer Heirat bzw. einem ewigen Bund zwischen Mann und Frau in meinen Augen. Doch nach mehreren Diskussionen erkenne ich andere, vielseitigere Gesichtspunkte, die durchaus mit betrachtet werden sollten, um keine vorschnelle Meinung zu bilden.

Die Motivationen eines asiatischen Mädchens lassen sich wesentlich in drei Punkten festhalten: Behandlung, Versorgung der Eltern und Wohlstand. Zunächst behandeln die Thai-Männer auf dem Land ihre Frauen weniger gut (das kann man natürlich nicht verallgemeinern, doch die Sitten in den überwiegenden ländlichen Regionen sind anders als die der Stadtbewohner). Wenn er nicht arbeitet, besäuft er sich und behandelt seine Frau entsprechend schlecht. Europäische Männer sind dagegen einfühlsamer. Sie achten und respektieren das weibliche Geschlecht mehr. Dieses Verhalten stößt bei den thailändischen Frauen erst auf Verwunderung und führt später zu hoher Attraktivität. Die Frauen sehen neben der gleichberechtigen Behandlung natürlich auch die finanziellen Vorteile. Das Versicherungs- bzw. Rentensystem in Thailand ist auf dem Stand des europäischen Mittelalters. Kurzgesagt es gibt keine staatliche Versorgung. Im Fall einer Krankheit und Arbeitsunfähigkeit müssen die Kinder für ihre Eltern sorgen. Meistens läuft‘s darauf hinaus, dass die Kinder ihre beruflichen Wünsche nicht erfüllen können. Statt zu studieren oder ihrem Traumberuf nachzugehen wird versucht, auf dem schnellen Weg gutes Geld zu verdienen, um die Eltern zu Versorgen. Im Falle einer Heirat hat der Mann die Verantwortung für die Schwiegereltern. Das heißt bei einer Heirat mit einen reichen, in diesem Falle europäischen Mann, kann die Frau ihren Werdegang nachgehen. Matt überweist monatlich 50 €. Des Weiteren profitiert die Frau selbstverständlich vom Wohlstand und dem materiellen Luxus in Europa.

Die Beweggründe eines Mannes sind auch nachvollziehbar und werden am Beispiel vom Matt nahegelegt. Matt, ein Durschnitts-Mann, hatte eine Frau und drei Kinder. Neben seinen respektablen Beruf in einer Stahlfabrik hat er des Weiteren Marihuana-Pflanzen im großen Stil angebaut, verkauft und gutes Geld gemacht. Bis er von der Polizei geschnappt wurde und für 18 Monate ins Gefängnis musste. Seitdem raucht und trinkt er nicht mehr. Dies ging soweit gut bis seine Frau vor sechs Monaten verstarb. Um nicht wieder auf die falsche Bahn zu geraten und um nicht einsam zu sein, entschloss er sich übers Internet eine Frau aus Asien zu suchen. Neben der wohl einzigartigen Hingabe der asiatischen Frauen zu ihrem Ehegatten, dass sie ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen können, profitiert er davon, in seinem doch fortgeschrittenen Alter, Vergnügen mit einer hübschen deutlich jüngeren Frau zu haben und Spaß an seinem Lebensabend zu haben.

Zusammenfassend lässt sich diese Art von Bindung als eine Win-Win-Situation beschreiben. Beide Seiten profitieren um ein glückliches Leben zu führen. Ob sich aus der Gesamtsituation wirklich „Liebe“ entwickelt ist fraglich, doch die Vorteile, die beide Partner haben, sind gut genug, um eine vertrauliche und emotionale Basis dafür zu schaffen.

Advertisements