Kneipenfreundschaft in einer Hippie-Bar

Nach sechs Tagen in Chiang Mai entschlossen Florian und ich einen Wagen zu mieten um den Nord-Osten Thailands sowie ein Stückchen von Laos zu erkunden. Um die Ecke unseres Guesthouse entdeckten wir einen älteren Suzuki Geländewagen der zu Miete bereit Stand. Ein genauer Blick auf und unter die Karre bereitete mir böse Kopfschmerzen. Verschiedene Stellen wurden nur notdürftig zusammengeschweißt und weitere Bereiche rosteten so vor sich hin. Dieses Vehikel machte einen extrem unzuverlässigen Eindruck. Voraussetzung für unseren Trip sollte schon ein sicherer und fahrbarer Untersatz sein, damit der Wagen und somit auch wir lebendig wieder zurück kommen. Wir entschiedene uns daher für einen Wagen in einer ähnlicher Preisklasse. Ein Pkw ohne Allradantriebe aber dafür ein ziemlich neues Gefährt. Unser Baby für den Roadtrip ist ein Toyota Yaris.

Unser erster Stopp führte uns nach einer vierstunden Fahrt nach Chiang Rai. Chiang Rai ist für Backpacker ein Durchreiseort, um von dort nach Laos oder zurück in den südlicheren Teil Thailands zu reisen. Wir steuerten ein Guesthouse an, das uns Tom (mein Thai-Freund) empfohlen hatte, und wie ich es verstanden habe, eine Nacht für uns reserviert hat. Pustekuchen – keine Reservierung für uns und wir suchten eine Unterkunft. Einerseits kein Problem in den touristischen Gegenden, doch es kommt schon vor, wenn man lange unterwegs ist, dass man dann einfach keinen Bock mehr hat, sich um ein Hotel kümmern zu müssen. Auch eine nette Österreicherin Namens Lilly, die wir vor dem ausgebuchten Guesthouse getroffen haben, konnte uns keine Empfehlungen für ein anderes geben.

Etwas knütterich spazierten wir herum und fanden einen herruntergekommenden Ableger von einem Guesthouse. Dort trafen wir zwei deutsche Backpackerinnen. Beide sind gerade auf der Durchreise von Laos über Thailand nach Malaysia. Gemeinsam gingen wir in due Teepee Bar, die uns Lilly empfohlen hatte. Die Teepee Bar ist eine kleine, abgefahrene Thai-Hippie-Kneipe. Entsprechende Gestalten hingen dort auch rum. Vor der Tür eine Handvoll Thailänder. Einige mit Dradlogs und diverse anderer Frisuren. Die Menge an leeren Bierflaschen auf dem Tisch deutete auf einen hohen Alkoholspiegel dieser Personen hin. Daneben eine ältere Frau, die sich nicht von den Betrunken ablenken lies und ihre Aufmerksamkeit auf ihr Kartenspiel richtete. Ihr Hund chillte derweilen hinter ihrem Holzhocker auf dem Gehweg und beäugte gelangweilt unsere Ankunft. Wir fanden Platz neben der Eingangstür neben einem verstaubten, alten Schlagzeug. Der Tisch, ein rostiges Drahtgestell auf dem lose ein dreckiges Brett lag. Die Kneipe bestand aus einer Ansammlung an unnötigen Kruschzeugs, dass einfach über all zu finden war. An jeder Wand, Tresen, Tisch, Decke sogar an der aufsteigenden Treppe zum Lagerraum. Abgebrochene Beine, Arme von Ausstellungspuppen, Gespenstermasken, Skelette, Hüte, Barbiepuppen und Kuscheltiere mit abgebissenen Köpfen/Gliedmasen, ein klappriges Fahrrad an der Decke und lauter solcher Sachen. Der Weg zur Toilette erwies sich als Hindernissparkour. Diverse Kartons mit leeren und vollen Bierflasche mussten übersteigen werden. Mit ein wenig Kraftaufwand und gefühlsamen Ruckeln öffnete sich die Tür. Dort bäumelte ein Strick, der normalerweise an einen Galgen gehörte.

Zurück am Tisch und zwei Chang-Bieren später, betrat ein Pärchen die Kneipe und setzte sich an den Drahtgestell-Tisch direkt neben uns. Irgendwie kam ich mit dem Kerl, Guy, einem Engländer, der seit elf Monaten in der ganzen Welt unterwegs ist ins Gespräch. Wir verstanden uns ganz gut, lachten und tranken zusammen. So spendierte seine Freundin Sara mir diverse Schlucke ihrer selbstgestärkten Whisky-Cola-Mischung bzw. Whisky mit der Farbe von Cola meines Erachtens. Mittlerweile ist auch Lilly in der Bar eingetroffen. Sie quatschte kurz mit den restlichen deutschen und ich stellte sie dem Pärchen vor. Anscheinend hält sich Lilly öfters hier auf, denn sie kannte auch diverse Thais im Eingangsbereich.

Nach einer Weile bekam ich Hunger. Guy begleitet mich mit nach draußen, in der Hoffnung im städtischen Night-Market an einigen Essenständen noch etwas, brauchbares zu finden. Guy machte einen etwas chaotischen Eindruck. Im inneren hat er aber ein gutes Herz. Er schenkte kleinen Kindern Lollis und kraulte diverse Hunde, die uns begegneten. Vor allem ein Hund hat es mir ganz besonders angetan: ein grauer Köter aus der Cesar-Hundefutter-Fernsehwerbung mit lila gefärbten Haaren passte auf die DVD-Raubkopien eines Standes auf.

Bei einem guten Pad-Thai (gebratene Nudeln mit Ei, Gemüse und Hühnchen) erzählte mir Guy von seiner Ex-Freundin, die nach drei jährigen Beziehung mit seinem besten Freund geschlafen hat. Er verkaufte seine Kunstgallerie und beschloss mit diesem Geld um die Welt zu reisen. Sein erstes Reiseziel war Afrika. In Afrika hatte er ein One-Night-Stand mit einem 16-jähringe Mädchen. Sie hat sich aber als 18 ausgegeben. Nach der Nacht hat Sie ihn ausgeraubt. Er verlor sein Laptop, IPod, Handy, Spiegelreflexkamera und Geld. Als nette Geste hinterlies sie ihm jedoch eine Wegwerfkamera, seine Geldkarte und seinen Reisepass, damit er wenigsten mit einer Grundausstattung weiterreisen kann. Daraufhin beschloss er seiner Berufung nachzugehen. Er ist Künstler, malte einige Bilder, verkaufte diese und zog weiter. In Thailand lernte er dann Sara kennen. Sara ist ein thailändischer Ladyboy. Weiter vertrauter er mir diverse Geschichten ihrer Beziehung die die Zukunft mir ihr an. … (to be continued)

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