Feste feiern wie sie fallen

Nach den ersten Tagen brauchte ich erst mal etwas Zeit um mich vom Jetlag zu erholen und entspannt auszuschlafen. Mittlerweile teile ich mir nicht mehr ein Doppelbett mit Florian. Wir musste in ein drei-Bett Zimmer umzuziehen und hatten eine nette Engländerin im Zimmer. Dies machte das entspannen doch etwas schwieriger in meinem Raum. Und ich entschloss Chiang Mai alleine zu erkunden. Ich lernte Chris, einen Engländer kennen, mit dem ich dann essen war. Er konnte mich fast überreden mit ihm einen thailändischen Kochkurs zu besuchen. Doch der nächste Tag war schon verplant.

Am Abend wollte unsere deutsche Clique das Loi Krathong Lichterfest feiern. Traditionellen wird dabei ein selbstgebasteltes oder selbstgekauftes Blumengesteck mit Räucherstäbchen und Kerzen auf den Fluss abgesetzt und treiben gelassen. Dies soll die Dankbarkeit der Menschen ausdrücken, die von dem Wasser des Flusses profitieren. Gleichzeitig aber auch als Entschuldigung, wegen der Verschmutzung dienen. Eine neuere Auslegung dieser Tradition bewirkt, dass die persönlichen bösen Taten und Gedanken vom Wasser hinaus getragen werden. Ich durfte ein Tag vorher sogar ein solches Gesteck anfassen, dass dann aufs Wasser gelassen wurde. Ich fühlte mich im Nachhinein entspannt und all meine vermeintlichen schlechten Taten wandelten sich in Erleichterung. Gute Sache so etwas. Neben dieser Erlösung darf jeder einen Wunsch auf einen „Ballon“ (siehe Bild) schreiben, der durch eine Feuerquelle am unteren Drahtgestell für Auftrieb sorgt. Wegen der Vorfreude und dem Trubel um mich herum muss ich  zu geben, habe ich vergessen mir etwas zu wünschen. Mein größter Traum war immer diese Reise. Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass ich langsam neue Wünsche und Träume für meine kommenden Jahre brauche. Job, Auto, Haus … darüber mache ich mir aber Gedanken wenn ich zurück in Deutschland bin.

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Nach dieser verpasste Wunsch-Chance verabredeten wir uns mit Tom (der Typ der nach einem Kecks benannt wurde) in einer Bar, die noch keinen Namen hatte. Dort sollte die Grand Opening Party stattfinden. Was jedoch sehr unverständlich war, da unsere deutsche Gruppe, neben zwei volltrunkenen Thailänderinnen die einzigen Gäste waren. Nach einem Eimer Whiskey-Cola, Thai-Reis-Schnaps und diversen Chang-Bieren drängte Tom, Flo und mich zum nächsten Ziel ihn zu begleiten. Wir willigten skeptisch ein, da er uns nicht erklären wollte oder konnte wohin unser Trip geht. Ich versuchte weiter penetrant zu fragen, wohin es denn geht. Denn am Abend zuvor, wollte mich Tom zu einem „speziellen“ Ort führen, an dem Frauen gegen Bezahlung alles machen würden. Natürlich verweigerte ich dieses Angebot, da es total  gegen meine Prinzipien verstößt. Er hat herzlich gelacht und meinte, dass wir ihm vertrauen könnten und einfach nun mitkommen sollten. In thailändisch quatschte er mit einem Tuk-Tuk-Fahrer und Florian und ich fuhren los und wussten immer noch nicht wohin es geht.

Nach einer wilden Fahrt durch die Straßen des Lichterfestes kamen wir an. Wir standen vor einem hohen, imposanten Gebäude. Mehrere Etagen hoch mit einer bunten Beleuchtung. Über dem großen Eingangsbereich stand „President Hotel“ in leuchtend gelb-weißen Buchstaben geschrieben. Okay das hört sich doch zumindest seriös an…jedoch ähnelt die Beleuchtung doch eher an einen Puff.  Nach einer Weile trudelte auch Tom mit seinem Roller ein und wir gingen hinein. Links und rechts alle möglich aufgebrezelten Thai Mädels. So unfassbar heiß, dass mir die Kinnlade heruntergefallen ist. Kurze enge Kleider an der jede Kontur erkennbar ist und den sportlich geformten Körper betont. Ich hatte ein wenig Sorgen, ob ich mit Fullcap und schlabbernden T-Shirt überhaupt in diesen Laden rein komme. Doch Tom meinte: „Hey du bist ein Europäer. Weiße sind überall willkommen, weil diese ja Geld besitzen“. Wir zahlten einen Eintritt/Mindestverzehr und gingen rein. Verglichen mit den typischen Bars in Chiang Mai hatten die Bier Preise europäisches Niveau. So zahlte ich locker für ein Bier drei Euro (Verglichen zur normalen Kneipe hier ein Euro). Während des Abends lernte ich ein thailändisches Mädchen kennen. Sie machte einen echt sympathischen Eindruck und konnte gutes englisch. Wir quatschten uns fest. Doch ich bemerkte, dass sie all meine Vorlieben und Abneigungen kommentarlos einwilligte. Das wurde mir zu bunt und ich zog die Notbremse. Später lernte ich einen, schon in die Jahre gekommen Australier kennen. Man, hat er angegeben von seinem Luxusleben: Er erzählte von seinen Häusern in Perth, Tasmanien (Australien) und Chiang Mai. Dazu natürlich die passenden Premium-Automarken. Und ein Dutzend von Thai-Mädels, die aber kurioser weise an diesem Tag nicht mit ihm unterwegs waren. Trotz seiner Angeberei fand ich es doch amüsant mich mit ihm zu unterhalten. Er spendierte mir ein Whisky-Cola-Mix und gab mir den Tipp, schnell viel Geld zu verdienen und dann wie er ab dem 50. Lebensjahr ein halbes Jahr in Thailand zu verbringen. Wir tauschten email-Adressen aus und vielleicht schreibe ich ihn mal an, wenn ich in Australien bin um seinen Fuhrpark auszuchecken 😉

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